Mein Name, meine Ideen, meine Identität und gleichzeitig: Er geht mit den Lebensveränderungen mit. Wenn es für dich passt, dann passt es.
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Es ist ein ganz gewöhnlicher Tag im August. Eine Email: Sehheldin ist Vergangenheit. Die Seite steht jetzt unter anneniesen.eu.
Ein Abschied. Und gleichzeitig: Es passt wieder. Endlich. Durch alle Phasen der Veränderung bin ich gegangen. Den Namen hatte ich liebgewonnen. Menschen haben in den ersten Jahren meinen Newsletter abonniert, weil sie dachten, es geht um Sehen und um Augen. Mit dem Namen hatte ich meine Welt kleiner gemacht. Zu klein für mich, viel zu klein.
Sehen, was nicht gesehen wird
Was für mich der spannende Lernprozess war: In mir war die Welt von Anfang an viel grösser. Meine Augenerfahrungen sollten der Aufhänger für viel grössere Themen sein: für Sehen, was nicht gesehen wird. Für die Reise vom Aufbrechen aus dem Gewohnten in eine ungewisse Zukunft, für den Prozess zwischen Abreise und Ankommen, für den Mut, eigen-sinnige Entscheidungen zu treffen und klug mit Unsicherheiten umzugehen. Um alle Gefühle, die jeder Abschied mit sich bringt. Darum, wie wir in komplexen Lebenssituationen entscheiden und unser Leben gestalten, egal wie schwierig.
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Keine Ahnung, wie es weitergeht
2019 war mein Startpunkt: Ich konnte meinen alten Beruf nicht mehr ausführen und hatte keine Ahnung, wohin und wie weiter. Auf Lernen hatte ich Lust und auf Schreiben, vor allem aber wollte ich online sehen, was ich selbst suchte und nicht fand. Ich nannte meinen Blog SEHHELDIN: große Themen im Blick, meine Myopie als persönlicher Aufhänger. Persönlich geschrieben, mit Fachwissen aus 20 Jahren Coachingerfahrungen mit Kund:innen in Transitionsprozessen.
Sehheldin war ein Wortspiel. Selbst Deutschen musste ich es erst erklären, international erst recht.
Und dann kam die Schublade
Für eine Weile passte der Name richtig gut. In mir sowieso. Menschen freuten sich über den Namen Sehheldin. Und doch: Ziemlich schnell merkte ich: Menschen, die den Namen hörten, dachten automatisch und nur an Sehen. Menschen, die von meiner persönlichen Teilgeschichte mit den Augen lasen, kreiierten in sich Bilder. Bilder von Sehbehinderung als erstes - und nahmen dann automatisch an, ich sehe nichts mehr. Ich war dann die Frau, die über Sehbehinderung schreibt. Und zack, war ich abgespeichert unter: Krankheit, Sehbehinderung, Inklusion, Diversität.
Ok, dann ist das so, dachte ich für eine ganze Weile. Dann schreibe ich eben mit Fokus auf Krankheit und Augen. Das waren Themen, mit denen ich mich zu dem Zeitpunkt selbst intensiv beschäftigte, zu denen ich keine Informationen fand, die mich zufrieden stellten: Rein praktisch, wenig zu Themen wie „Living Loss", Trauer, Annehmen der Realitäten. Genauso wenig zu Themen wie Kommunikation mit Ärzten etc. Also mache ich das, dachte ich. Und viele Menschen waren sehr froh drum, was mich dann wieder froh machte.
Meine Label-Allergie
Aber es nagt schon lange: Ich bin so viel mehr. Ich kann so viel mehr. Und ich habe schon mein ganzes Leben eine allergische Reaktion auf Labels, auf Festschreibungen, auf schwarz-weiß.
Dazu kam: Sobald ich diese grossen Lebensthemen für mich begriffen hatte, setzte meine Label-Allergie ein: Denn wann immer ich dazu auf LinkedIn setzte zum Beispiel, merkte ich an den Reaktionen: Die verengte Blickweise auf mich lässt mir keinen Raum zu atmen. Ich liebe komplexe Themen. Ich liebe es, Welten zu verbinden, fachliche und konkrete. Die Welt ist viel zu bunt und zu vielschichtig für einfache Antworten. Ich denke in Prozessen: Wie alles zusammenhängt und sich alles gegenseitig beeinflusst – schließlich bin ich von Haus aus Systemikerin, einfaches Maschinendenken ist nicht mein Ding. Noch mehr: Ich halte es für gefährlich, weil die vereinfachten Antworten überhaupt nicht zu den grossen Fragen passen können.
Transparent, nicht Aktivistin
Und ganz ehrlich: Es tat mir selbst nicht gut immer ausschließlich in der Ecke „Die Frau mit der Sehbehinderung" zu landen, egal, worüber ich schrieb. Klar, ich habe eine Seheinschränkung mit enormen Einfluss auf mein Leben. Ich habe mich entschlossen, damit transparent umzugehen, weil das zu meiner Lebenseinstellung passt. Ich will in einer Welt leben, in der Krankheiten ein Fakt sind und kein Tabu. Gleichzeitig bin ich weder Aktivistin noch will ich „Inspirationsporno" sein (Cool, wie die das macht mit ihren Augen).
Wenn die Landkarte nicht mehr stimmt
Mir geht's um mehr, um Größeres, um Themen, die darüber hinausgehen. Um Themen, die so Viele heute angehen, die erschüttert sind von Veränderungen, die sie nicht selbst in der Hand haben. Die aus Versehen ihre Zukunft anhand von alten Landkarten malen, die schon längst nicht mehr passen. Weil ich um mich herum sehe, wie relevant für Viele mein Wissen ist.
Ich koppele mein Wissen an meine persönlichen Erfahrungen, weil ich ein Mensch bin, weil es immer um MenschSein geht und weil ich selbst erfahren habe: Wenn wir aus dem eigenen reflektierten Leben berichten und arbeiten, dann ist die Wirkung viel befreiender und grösser.
Ich bin aufgebrochen, mehrfach. Habe Länder gewechselt, Sprachen, Perspektiven. Habe gelernt, zwischen Welten zu pendeln und mir dort, wo ich neu ankam, einen Platz zu suchen. Und ich sehe die Welt anders, ganz buchstäblich. Das läuft in allem mit, was ich schreibe. Transparent, nicht weil ich von mir erzählen will, sondern weil es greifbar macht. Und weil sich dann die Leute angesprochen fühlen, die zu mir passen.
Meine eigene Zwischenzone
All das weiß ich schon länger. Ganz ehrlich: Schon vor mehr als einem Jahr wollte ich umstellen auf meinen Namen. Praktische Dinge und teilweise auch fehlender Schwung standen einer Umsetzung im Weg.
Dachte ich: Aber der wahre Grund ist, ich steckte selbst in inneren Prozessen, die mich noch in der Zwischenzone festhielten, zu Recht. Ich war noch nicht so weit, schwungvoll ein neues Kapitel zu starten.
Anfang 2026 wusste ich: Jetzt passt es. In jeder Hinsicht.
My Way
Wenn du meinen Jahresrückblick 2025 und meinen Artikel über Angst und die richtigen Fragen gelesen hast, weißt du: Ich habe die Entscheidung getroffen: Mehr Lebendigkeit, mehr Welten, mehr Ich. My Way. So wie es jetzt geht, in meiner neuen Realität. Die sich morgen schon wieder verändern kann. Wissend, dass es dann auch anders gehen wird.
Die wenigsten merken es: Sie bestimmen ihren Kurs, planen ihre Zukunft mit einer Landkarte, die längst nicht mehr stimmt. Dabei beginnt jede Neuausrichtung mit einer ehrlichen Standortbestimmung. Damit die Landkarte wieder passt. Erst danach können Schritte gesetzt werden in Richtung Zukunft. Davon bin ich überzeugt. So arbeite ich in meinen Coachings: Starten, wo du wirklich stehst. Damit die Entscheidungen und Schritte zu deiner neuen Realität passen. Damit dein Leben wieder zu dir passt.
Was ich dabei gemerkt habe: Mit dem alten Namen habe ich vor allem Leserinnen angezogen, die sich gesehen fühlten durch das, was ich schreibe, die das schön fanden. Und dann, wenn es um eine echte Entscheidung ging, woanders gebucht haben. Weil gar nicht klar war: Bei mir kannst du auch kaufen.
Deshalb sage ich es jetzt deutlich: Ich habe eine langjährige professionelle Laufbahn als Coachin. Und ich möchte nicht nur Leserinnen, ich möchte auch Kund:innen.
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Und wieder ein mutiger Wechsel. Toll was du machst und wie du deinen Weg gehst. Aus der alten Seeheldin wird die „junge“ AnneNiesen :-). Ich verstehe gut deine Beweggründe und wünsche dir viel Erfolg. Ich folge dir gerne weiter unter dem neuen Label 🙂 !
Hallo lieber Frank, wir kennen uns schon so viele Jahre und durch so viele Lebensveränderungen. Kennengelernt in herausfordernden Businesskontexten. Wir „sehen“ uns. Ich weiß, wenn du etwas kommentierst, dann ist das nicht einfach eine Phrase. Und auch: Dass du auch zu den Freigeistern gehörst, die ihren Weg gehen. Mutig. Auf die nächsten mutigen, weltoffenen Jahre! Anne